Der Trancer aus Rostock: Tommy Aries

Electric Fabric Podcast: Gast DJ Tommy Aries

Unsere April-Ausgabe des Electric Fabric Podcast steht wieder – wie Ihr das von Niko schon kennt – ganz im Zeichen des Trance. Und auch diesmal haben wir wieder einen interessanten Gast-DJ für die zweite Stunde gewinnen können: Tommy Aries, DJ-Newcomer aus Rostock, der im Web Bekanntheit durch seine Reihe #Thoughts erlangt hat und auch bereits in unserer schönen Hansestadt bei der We Love Trance an den Decks war. Und wie Ihr das bereits von uns kennt, wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten, wen wir für Euch einladen, weshalb wir auch diesmal wieder ein Interview mit unserem Gast geführt haben!

EF: Hallo Tommy, besten Dank, dass Du Dich bereit erklärt hast, für uns Deinen Gastbeitrag zu unserem aktuellen Podcast zu mixen! Um unsere Fans und Hörer mehr über Dich verraten zu können, würden wir Dir gemäß unserer Tradition gerne ein paar Fragen stellen. Stell Dich doch bitte einmal kurz vor: wer bist Du, woher kommst Du und was hat Dich zur elektronischen Musik und zum DJing gebracht?

TA: Ich danke euch herzlich meinen Beitrag zu eurem Projekt leisten zu können! Ich bin Sebastian alias Tommy Aries, 26 Jahre jung und komme aus der wunderschönen Hansestadt Rostock. Zur elektronischen Musik bin ich über meinen Bruder gekommen. Bis ich 15 Jahre alt war, habe ich hauptsächlich Rockmusik à la AC/DC, Kiss, Die Toten Hosen, etc. gehört. Mein Bruder ist knapp 10 Jahre älter als ich und mit der elektronischen Musik aufgewachsen. Dadurch liefen bei ihm im Auto immer Mitschnitte einer lokalen Diskothek. Irgendwann habe ich Conscious von Kai Tracid und Traffic von Tiesto gehört und dann hat es bei mir Klick gemacht. Nach ein bis zwei Jahren als Hörer, habe ich mir dann 2006 Traktor DJ gekauft und angefangen, am Computer Mixe für mich und meine Freunde aufzunehmen. Das hat mir dann so viel Spaß gemacht, dass ich mir einen 2xCD-All-in-One-Mixer gekauft habe. Auf einer Azubiparty habe ich dann erstmals öffentlich aufgelegt und sozusagen Blut geleckt.

EF: Dann hast Du ja schon inzwischen einige Jahre DJ-Erfahrung gesammelt. Was waren die wichtigsten Höhepunkte in Deiner Musik-Laufbahn?

TA: 2011 hatte ich, dank dem Gewinn eines Contest, die Möglichkeit, auf dem Newcomer Floor der Airbeat One aufzulegen. Es war mitten in der Mittagssonne, ich war tierisch aufgeregt und, da ich nie zuvor mit Pioneer Equipment gespielt hatte, schaute ich mir die Funktionsweise vorher im Internet an. Beim Gig waren dann hauptsächlich meine Freunde und zum besten Zeitpunkt ca. 20 Leute auf der Tanzfläche. Mir hat es einen riesen Spaß bereitet, deswegen beschloss ich, das DJing von nun an semi-professionell zu betreiben. Ein weiterer Höhepunkt war mein erster Gig bei der We Love Trance in Hamburg. Vielen Dank an dieser Stelle an Jan und Steffi, dass ihr damals an mich gedacht habt! Mein emotionales Highlight hatte ich letztes Jahr in der Musikfabrik Hofheim. Die Party dort hatte eher privaten Charakter und es waren zwischen 50 und 70 Leute am Start. Ich spielte dann zur Primetime ein Upliftingset, an welchem Ende die Tanzfläche voll war und alle „Big Sky“ mitgesungen haben. Ich hatte dabei und im Anschluss unglaubliche Glücksgefühle und bin der Veranstalterin Melly sehr dankbar, dass ich Teil ihrer Party sein konnte. Zu guter letzt war es natürlich auch wunderschön, die 25. Ausgabe von #Thoughts im Nightparc Rostock mit einer eigenen Party feiern zu können.

EF: Apropos, 25. Ausgabe zeugt ja davon, dass Du schon eine kleine Weile mit Deiner „Thoughts“-Reihe aktiv bist. Wie kam es dazu?

TA: Ich habe zu Hause immer sehr gerne einfach vor mich hingemixt, dabei allerdings selten Mitschnitte gemacht. Ein guter Kumpel erinnerte mich öfter daran, das Zeug einfach aufzunehmen, da er Musik für seine langen Autobahnfahrten brauchte. Eines Tages dachte ich daran und schnitt einen spontanen Mix mit. So sind Episode eins und der Name #Thoughts geboren worden. Ich habe mir dann vorgenommen einmal im Monat eine Episode aufzunehmen sowie nie einen Track doppelt zu spielen. Inzwischen gibt es #Thoughts seit über zwei Jahren und hat auch eine kleine Fanbase.

EF: Siehst Du Dich denn eher als reinen DJ oder bist Du auch produktionstechnisch aktiv?

TA: Musik zu produzieren ist schon sehr reizvoll für mich. Ich gehe zumindest seit drei Jahren die ersten Schritte dafür (lacht). Allerdings ist zum Produzieren einfach ein ganz anderes Know-how als zum Auflegen notwendig. Trotz den heute einfacheren Bedingungen, mit vielen Youtube Tutorials und diversen Internetforen, sind in meinen Augen ca. zwei Jahre notwendig, um hochklassige Produktionen zu erstellen. Da ich neben meiner beruflichen Tätigkeit noch studiere, fehlt mir deswegen etwas die Zeit dafür. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

EF: Man darf also gespannt bleiben. Nun zu einem „ernsthafterem“ Thema: Trance. Unsere aufmerksamen Leser wissen das: in den letzten Interviews zu unseren Trance-Episoden haben wir das Thema Trance und seine Entwicklung – insbesondere in Deutschland – auch bereits etwas kontrovers beleuchtet. In Foren, im Social Web aber auch auf Parties scheiden sich ja die Geister daran. Wie siehst Du die aktuelle Lage? Ist Trance nun tot? Wird Trance unterschätzt? Ist EDM an seine Stelle getreten? Oder ist eigentlich alles in bester Ordnung mit dem heutigen Trance?

TA: Ich finde hier sollten wir die Lage in Deutschland und international unterscheiden. Solange tausende Menschen eine „A State of Trance“ in Utrecht oder Buenos Aires besuchen, regelmäßig zu Radioshows einschalten und auch im Internet eifrig mitdiskutieren, kann man Trance nicht als tot bezeichnen. In Deutschland ist die Lage etwas angespannter. Ich denke nicht, dass die goldenen Jahre Ende der 90er bzw. Anfang der 2000er je wiederkommen werden. Allerdings bemerke ich, dass Trance durchaus vom derzeitigen EDM Boom profitiert. So hat der progressive Style und vor allem auch Psytrance auf der #Thoughts 25, bei einem eher kommerziellen Publikum, sehr gut funktioniert! Ich denke insbesondere Psytrance hat in Deutschland einen guten Stand. Und für den Rest bleiben uns in Deutschland die eher kleinen, familiären Events mit 100 bis 500 Gästen. Gute Stimmung kommt da trotzdem auf! Ich denke übrigens nicht, dass EDM an die Stelle von Trance getreten ist. Dafür ist der Boom zu groß. EDM ist eher an die Stelle von Hip Hop und davor Rockmusik getreten. Für mich ist das der ganz normale Zyklus der kommerziellen Musk. Vier bis fünf Jahre ist eine Richtung besonders In und wird dann von einem anderen Genre abgelöst. So war es in den 2000ern mit Rock, welches von Hip Hop abgelöst wurde, worauf wiederum EDM folgte. In ein bis zwei Jahren ist der Boom auch wieder vorbei.

EF: Also ist EDM kein Trance-Ableger sondern eher Pop. Und Trance selbst? Entwickelt sich der Style weiter oder ist das alles nur Stillstand?

TA: Die Frage stellt sich die Community schon seit ich Trance höre. In meinen Augen wird sich Musik, und dazu zähle ich Trance, immer weiterentwickeln. Genauso entwickelt sich jeder Mensch bzw. Hörer musikalisch weiter. Was uns gestern noch gefallen hat, kann uns morgen schon egal sein. Ob die Entwicklung eines Genres oder eines Künstlers jedem gefällt, steht auf einem anderen Blatt. Für mich war bei Trance jedoch immer etwas dabei.

EF: Dann kannst Du Deinem Stil ja treu bleiben. Was uns zur abschließenden Frage bringt: was kann man von Dir persönlich in der nächsten Zukunft erwarten? Hast Du besondere Pläne? Wo geht die Reise hin?

TA: Zunächst werde ich mein berufsbegleitendes Studium abschließen. Danach habe ich etwas mehr Zeit, um ins Produzieren zu schnuppern. Natürlich werde ich euch weiterhin mit meiner #Thoughts und vielleicht der ein oder anderen Idee versorgen. So versuchen mein Kumpel DJ Maaho und ich derzeit, eine Partyreihe namens Zeitreise aufzubauen, um die jungen Leute über Klassiker auch an Trance heranzuführen. Ansonsten halte ich es musikalisch ganz nach Obi Wan Kenobi und lasse mich von meinen Gefühlen leiten (lacht).

EF: Na dann möge der Bass stets mit Dir sein! Vielen Dank für das Interview und Deinen Gastbeitrag und viel Erfolg auf Deinem Weg!