Gast-DJ Shade – unsere Drum&Bass-Lady aus dem Norden

Electric Fabric Podcast: Gast-DJ Shade

Für Oktober 2015 haben wir die Ehre, unseren ersten weiblichen Gast-DJ willkommen zu heißen! Shade ist ähnlich wie Effex, den wir Anfang des Jahres bei uns hatten, vor allem in Raum nördlich von Hamburg aktiv und hat viel aus ihrem bisherigen Werdegang zu berichten, und dazu obendrauf noch genug Pläne für die Zukunft! Was alles in ihrem Kopf abgeht, lest ihr im Interview.

EF: Hi Shade, wir freuen uns, dass du dir die Zeit für nen Gastmix bei unserem Podcast genommen hast! Natürlich möchten wir den Hörern wie immer etwas mehr Infos über unsere Gast-DJs geben, von daher stell dich doch einfach mal kurz vor!

S: Hi, ich freue mich auch sehr über die Einladung von Euch! Ich bin Johanna aka Shade. lege seit knapp vier Jahren Drum’n'Bass auf und veranstalte auch DnB Partys u.a. Bollwerk (The Riot, Lübeck), Kiel (Hell’s Kitchen) und in Bremen zusammen mit meinen Jungs vom Pirate Revival Project z.B Anything Goes oder Bass Circus im Aladin/Tivoli Komplex. Im „echten Leben“ bin ich Studentin für Öffentlichkeitsarbeit & Unternehmenskommunikation im letzten Semester und alleinerziehende Mama von zwei wundervollen Söhnen.

EF: Wann und wie bist du zum Auflegen gekommen? Und war schon immer Drum&Bass „deine“ Musik, oder gab’s auch andere Styles? Was kickt dich bei Drum&Bass besonders?

S: Ich hab mich schon als Teenie heftig in Drum’n'Bass verliebt. 94/95 war das. Vorher hab ich Grunge, Punk und Hip Hop gehört. Auf einer Silvesterparty hatte ein Kollege, es war übrigens Matik (Greeeez an dieser Stelle), ein Jungletape dabei. Wir haben die ganze Nacht Original Nuttah gepumpt – ich war sofort emotional geflasht von der Energie dieser Musik und das ist bis heute so geblieben! Uns verbindet also eine sehr lange und intensive Beziehung :D Ich war schon immer so n kleiner Ruffneck, hab Tapes gesammelt, bin von Rave zu Rave getingelt, Junglemania, HH Markthalle, Dreamland (Aladin/Tivoli), hab auf den Sets meiner UK Kings abgefeiert, bis ich ab 2004 eine längere Babypause eingelegt hab. Da waren dann andere Dinge erst mal viel wichtiger.

Das ich die Seiten gewechselt hab, kam eigentlich eher durch glückliche Umstände. Der Vater meiner Kids hat Electro/Techno Parties (Guerilla Kiel) veranstaltet. Wir hatten Equipment zu Hause rumstehen und da ich gern rumspiel, hab ich’s einfach mal ausprobiert zu mixen. Musik hab ich schon immer gemacht, aber mehr für mich. Ich hatte Klavierunterricht, hab ein wenig mit Cubase experimentiert, Hip Hop Beats gebaut, Hooks eingesungen für Homies, auch n paar eigene Songs geschrieben, aber das war nie das mit dem ich hundertprozentig down war.

Meinen ersten Gig hatte ich dann in der Walpurgisnacht 2012 auf einer Guerillaparty in der Meierei, Kiel. Ein Punkerschuppen mit wundervoll räudiger Atmosphäre. Ich war so übernervös, aber alle sind voll ausgeflippt auf meiner Selection. Ich war sofort hin und weg. Das war Shades Geburtsstunde sozusagen. Seitdem geht’s eigentlich nur bergauf. Es folgten Gigs in und um Kiel. Das Warp Kollektiv hat mich öfter eingeladen, Diaz Soto (ursprünglich ja auch Kieler) hatte seine Reihe Addicted to Bass in der Schaubude. Die Jungs haben mich einfach machen lassen. So konnte ich mich ausprobieren und jede Menge lernen. Vielen Dank dafür! Das hat mich weiter gepusht in meiner Entwicklung und auch motiviert dran zu bleiben.

Zu dieser Zeit ist auch meine eigene Partyreihe Hell’s Kitchen entstanden, über die mich auch meine piratischen Homies gefunden und zurück nach Bremen entführt haben. ARRR! :D Dann ergab sich die Möglichkeit von Anfang an auch im Bollwerk mich aktiv mit einzubinden, mich um Line Ups für Drum’n'Bass Floors auf Großveranstaltungen zu kümmern oder auch die Drum n Bass Reihe „The Riot“ ins Leben zu rufen.

Ich tauche also immer tiefer ein diese Kultur und Musik und habe auch noch das Glück, dass ich meine Studieninhalte mit meiner Leidenschaft verknüpfen kann. Schreibe Pressetexte für Veranstaltungen oder Konzepte, mach Interviews mit Künstlern, (obwohl ich gern da noch mehr würde, aber mir fehlt gerade einfach die Zeit). Ich lerne immer wieder so tolle Menschen kennen, die ähnliche Schwerpunkte in ihrem Leben setzen und mir Türen öffnen, wo ich keine vermutet hätte und natürlich jede Menge mixen, mixen, mixen.

Drum’n'Bass ist mein Ausgleich zu meinem oft ziemlich stressigen Alltag, mein Ventil und mein ständiger Begleiter. Eigentlich verbring ich jede freie Minute mit mixen, Tracks picken, recherchieren dies das. Ich kann heute selbst kaum glauben, wo ich bin und bin jeden Tag so dankbar dafür. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich mal im Tivoli spielen würde, im gleichen Line Up stehe mit Nicky Blackmarket, Lenzman oder Bailey, ich hätt ich ihm bestimmt n Vogel gezeigt.

EF: Übrigens finden wir es besonders klasse, endlich auch mal eine DJane für einen Gastmix am Start zu haben, du bist damit die Erste hier beim EF Podcast! Wie stehst du eigentlich zu der Mann/Frau-Thematik beim Auflegen, machst du dir darüber nen Kopf, oder ist dir völlig wurscht ob man nun DJ oder DJane sagt?

S: Ich bin Podcast Nummer 62, oder? Leider gibt’s viel zu wenig aktive Mädelz in unserem Genre, vor allem in der norddeutschen Szene. Ich hab mich schon dran gewöhnt meistens das einzige weibliche Wesen im Line Up zu sein. :)

Das fragst du mich bestimmt, weil ich ein DJ vor Shade gesetzt hab, oder? Das soll nicht bedeuten, dass ich jetzt der oberkrasse DJ bin, aber nach über drei Jahren autodidaktischer Ausbildung empfinde ich mich auch als DJ. Mich hat es einfach genervt, wenn ich in Pressetexten als Djane Shade angekündigt werde. Shade reicht vollkommen. Das Geschlecht ist ja kein Maßstab für Qualität,oder? Die Leute kommen doch nicht in Club um eine Frau auflegen zu sehen, sondern um abzufeiern! Ich find dieses Djane/DJ Ding so typisch deutsch. Im englischen gibt’s ja auch keine extra Bezeichnung für weibliche DJs. Ich mach ja auch den Bachelor und nicht die Bachlorette. Djane ist für mich so n Pendant dazu – gibt’s eigentlich nicht und klingt irgendwie billig nach RTL Abendprogramm. Aber das ist halt auch meine ganz eigene Meinung. Wer weiß wie andere Mädels das erleben? Aber mir sträuben sich manchmal schon die Nackenhaare, wenn ich Pressetexte von Veranstaltern lese a la Djane Hot Babe zeigt euch, dass sie es gern hart mag oder whatever in die Richtung. Voll Panne. Mit meinen Nippeln scratchen kann ich immer noch nicht und sexy Fanpost hab ich auch schon bekommen. Da hat jemand wohl zu viel Shades of Grey geguckt und in meinen Namen interpretiert. Gut gelacht auf jeden Fall. Life of a DJ hahaha, ist bei euch Männern doch bestimmt ähnlich, oder? Vielleicht forsche ich im Rahmen meiner Bachelorthesis mal ein bisschen ernsthafter in diese Richtung. Es gibt tatsächlich auch Studien, die sich damit befassen,warum es so wenige aktive Frauen in der DnB Szene gibt.

Ich glaube aber auch, dass ich vielleicht n bisschen strenger mit mir ins Gericht gehe als meine männlichen Kollegen, eben weil ich als DJ ernst genommen werden möchte ohne mich auf meinem Muschibonus auszuruhen. Das nervt auch manchmal mein Umfeld, wenn ich wieder auf heavy rotation bin und Fehler hör, wo eigentlich keine sind. :D

EF: Du bist ja vor allem im norddeutschen Raum aktiv, was waren denn die Party-Highlights deiner bisherigen Laufbahn?

S: Hui, da gabs so einige. Aufregend ist es immer und kein Gig ist wie die der andere. Gelungen ist es immer, wenn du eine emotionale Verbindung herstellen kannst mit der Crowd. Aber mein allererster Gig natürlich war schon so n Highlight, dann mein erstes Mal in Bremen im Magazinkeller als einer der Opener vor DJ Eazy, das Bollwerk Opening 2014.

Der mit der größten emotionalsten Bedeutung war mein Opener Set im Tivoli (Bremen) im letzten Sommer auf der Bass Circus im Aldadin/Tivoli. Auf der Tivolistage zu stehen mit meinem kleinen abgefuckten Controller, das war schon krass. Danach hatte ich die Möglichkeit mit Bailey auf der Rückfahrt zum Flughafen ein wenig über Drum’n'Bass zu philosophieren und er zu mir sagte: „Jo, if you want to study Drum’n'Bass come to London and Bristol.“ Studieren und Drum’n'Bass in einem Satz. Das war so ein Aha – Moment und Denkanstoß. Wenn ich es so betrachte studiere ich jetzt Drum’n'Bass im 40 Semester. Wenn ich mit meiner Abschlussarbeit, die ich tatsächlich Drum’n'Bass widme werde, durch bin, mach ich wirklich eine kleine Forschungsreise nach England. Wird Zeit für n Doktor hahaha.

EF: Und was steht aktuell so bei dir an? Wo kann man dich live erleben?

S: Das nächste Highlight wird das Bollwerk Re-Opening. Leider steht noch kein genauer Termin fest, weil es noch einige Umbauarbeiten zu tun gibt. Soll aber auf jeden Fall im Oktober noch stattfinden. Ich freue ich mich sehr, dass viele Heads aus dem Norddeutschen Raum zusammen kommen werden um gemeinsam den Floor zu beschallern. Die Pirates aus Bremen, Effex & Tra:Fo und Dub!mpuls von den Outriders Lübeck, MC Sylar aus HH. Ich finde es einfach großartig, bestehende Verbindungen miteinander zu verknüpfen, die Szene zusammen zu holen und daraus wieder neue Sachen entstehen zu lassen, natürlich immer unter dem Aspekt Drum’n'Bass zu pushen! It´s all about the love, you know ;) !

Ende Oktober spiele ich auch mal wieder in Kiel auf einer Delta Bass von meinen Freunden vom Warp Kollektiv. Da freu ich mich sehr drauf, vor allem jetzt nach meinem Umzug nach Lübeck mit Family & Friends wieder zusammen zu kommen! Im nächsten Jahr steht auch die zweite Anything Goes im Aladin/Tivoli ganz groß auf meiner Agenda. In Hamburg hab ich auch nicht gespielt und im Bollwerk gibt’s auch jede Menge Arbeit.;) Schauen wir mal was so kommt. Alle Dates gibt’s dann natürlich auf meiner Facebook Seite.

EF: Wie gestaltest du deine DJ-Sets meistens, eher spontan oder planst du schon vorher, was an dem Abend laufen wird?

S: Ich hab da ne ganz schöne Macke, glaub ich. Ich plane meine Sets bzw. bereite sie vor, weil ich gerne Struktur drin hab. Dann steht alles soweit, aber ich verwerfe alles und fange wieder von vorne an. Drama & Bass, Baby. Kommt ja auch immer n bisschen auf die Playtime an. Aber mittlerweile bin ich da auch viel lockerer und entdecke gerade meine Freestyleskillz! Für mich sind’s Geschichten, die ich erzähl. Jeder Track hat eine Bedeutung. Während der Vorbereitung probiere ich viel rum mit den Tunes. Was passt tonal, was nicht. Anfang, Spannungsbogen, Höhepunkt, Ende. Wenn es dann funktioniert und ich die Crowd mitnehmen kann, Bombe!

EF: Du bist ja auch Teil des Pirate Revival Project, kannst du darüber mal ein wenig erzählen? Bist du „nur“ DJ dort oder machst du noch mehr?

S: Die Pirates sind ein Kollektiv von Gleichgesinnten DJs und Veranstalter mit ähnlichem Background, Zielen und Idealen wie ich aus der Drum’n'Bass Hochburg Bremen. Sie prägen seit einiger Zeit aktiv das Bremer Nachtleben mit qualitativ hochwertigen Veranstaltungen, Bookings und eigenen Showcases. Kennen gelernt haben wir uns, wie oben bereits erwähnt über meine Hell’s Kitchen. Concept X hat mich angetackert und so entstand unsere Freundschaft und schließlich auch die Zusammenarbeit. Mittlerweile kümmere ich mich mich auch dort um die Bookings, kontaktiere die Promoter in UK, mach Künstlerbetreuung und was noch so ansteht und ich aus der Entfernung abarbeiten kann. Wir sind jetzt schon in den Vorbereitungen für die nächste Anything Goes! Das wird ne große Nummer, I tell u. ;)

EF: Wir haben da übrigens so ein Gerücht gehört, dass du deine eigene Partyreihe wiederbeleben willst…stimmt das? Kannst du uns dazu schon was erzählen?

S: Jo, das ist richtig. The Riot im Bollwerk wird’s auf jeden Fall wieder geben. Den ersten Termin hab ich im November. Meine Idealvorstellung ist es DJs und Produzenten aus ganz Deutschland einzuladen und zu präsentieren, dass wir hier auch eine lebendige Szene haben mit vielen fähigen und kreativen Künstlern. Vielleicht kriege ich es auch hin, ab und an n UK einzuladen, so als Sahnehäubchen obendrauf. Schauen wir mal wie sich das Ganze so entwickelt. Bock hab ich auf jeden Fall!

EF: Wie ist aktuell so dein Eindruck von der norddeutschen DnB-Szene? Gibt es besondere Trends, die dir auffallen? Und wenn man z.B. Kiel oder Lübeck mit Hamburg vergleicht, was gibt’s da für Gemeinsamkeiten und/oder Unterschiede?

S: Was mit auffällt, ist das die jetzige Generation nicht nur einen elektronischen Style feiert, sondern auch gern auf andere Partys geht. Es kann dann in einer kleineren Stadt wie Kiel oder Lübeck schon ab und an schwierig werden, den Laden voll zu kriegen, wenn beispielsweise eine Goa oder eine größere Electroveranstaltung am selben Abend ist. In einer Großstadt wie Hamburg oder Berlin hast du einfach eine größere Szene, sprich mehr Leute. Was ich aber auch erlebe ist, dass viele Jüngere auch Bock auf Drum’n'Bass haben, wenn sie dann mal einen „vernünftigen“ Rave mitgemacht haben. Das ist extrem kuhl und zeigt ja auch den Weg, wie man Partys wiederbeleben und alles am Laufen halten kann.

EF: Danke dir für das Interview! Gibt’s da draußen noch besondere Leute, an die du Shouts raushauen willst? Dann los :)

S: Yay, ich grüße an erster Stelle B-Combat. Er hat den Introsong “Spirit” produziert und mir für den Podcast zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Ich bin mir sicher, dass wir viel von ihm hören werden in nächster Zeit! ;)
Shouts gehen raus an meine Piraten, an meinen MC Sylar, ich freu mich auf die nächsten wilden Nächte im Doppelpack, dann natürlich an die gesamte Bollwerk Bande, meine Homes aus Lübeck Effex und Tra:Fo, das Warp Kollektiv in Kiel Ciddy und an meine Fam, die mich unterstützt wo sie kann, damit ich mein Ding machen kann. <3
Last but not least an Euch von Electric Fabric für das Interview und die Möglichkeit diesen kleinen Podcastmix zu machen mit Stücken, die ich vielleicht nicht unbedingt auf dem Floor spielen würde. Ich hoff, ihr habt Spaß damit!

One Love Shade

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