Gestatten – Herr Oppermann!

Electric Fabric Podcast: Gast-DJ Herr Oppermann

Im aktuellen Podcast begrüßen wir als Gastmixer Herrn Oppermann. aka Holger Oppermann, der ursprünglich aus Göttingen in Niedersachesen kommt. Inzwischen seit 8 Jahren in Hamburg ist er fester Bestandteil der hiesigen Clubszene und Teil des Kollektivs Rappelkiste und dem Label Tach & Nacht. Seinen Stil beschreibt er selbst als „bunt gewürfelt, aber immer House“. Was genau er da zusammenwürfelt und was Ihn in der elektronischen Musik umtreibt, erzählt er Euch im folgenden Interview.

EF: Hallo Holger, vielen Dank für Deinen Gastbeitrag zu unserem aktuellen Podcast! Damit unsere Fans, die Dich ggf. nicht so gut kennen, dich besser kennenlernen können, würden wir Dir gerne ein paar Fragen stellen. Stell Dich doch bitte zunächst einmal kurz vor: wer bist Du, woher kommst Du und was waren die wichtigsten Höhepunkte in Deiner Musik-Laufbahn?

HO: Hallo und vielen Dank, dass ich dabei sein darf! Meine Geburtsstadt ist Göttingen in Niedersachsen, dort habe ich in den späten 90ern auch meine ersten Gehversuche als DJ unternommen, hier vor allem in den lokalen Clubs, aber auch durch selbst organisierte Veranstaltungen. Vor allen durch den Club Stammheim in Kassel war auch Göttingen eine sehr elektronisch geprägte Stadt, da hatte man viele Freiheiten, so haben wir z.B. mit Karotte in einer alten Kaserne einmal eine Veranstaltung gemacht. Später war ich dann Resident des Clubs „Electro Osho“ in Göttingen. Über ein paar Umwege von Kassel, Zürich und Hannover bin ich nun seit 8 Jahren in Hamburg und fühle mich hier verdammt wohl. Es gab viele schöne Momente bei den Gigs, ich glaube das kennen alle, die auflegen. Zwei Höhepunkte sind mir aber doch immer in Erinnerung geblieben: zum einen der Gig im legendären Kasseler Stammheim, dort im Housefloor als Felix DaHousecat seinen Flieger verpasste und ich eingesprungen bin, und der 6 Uhr Morgen Gig beim Sonne Mond und Sterne Festival, wo ich bei einem DJ Contest mitmachen durfte. Aber natürlich gab es auch hier in Hamburg legendäre Nächte, vor allem bei den Tach & Nacht oder Rappelkisten Partys.

EF: Das Hamburger Kollektiv Rappelkiste und Tach & Nacht sind ein gutes Stichwort – Du bist ja nun schon länger als DJ unterwegs, was hat sich mit der Zeit verändert, musikalisch, technisch und wie bist Du zur Rappelkiste und dem Label Tach & Nacht gekommen?

HO: Begonnen hat „damals“ ja alles im Göttinger Club „Elektroosho“, wo ich noch mit Platten gespielt habe, das war für einen all night long Gig schon manchmal ne ganz schöne Schlepperei. Das „Feeling“ beim Auflagen war da ein anderes – die Haptik mit den Platten, die Cover an denen man sich orientiert hat. Ich habe in einem Plattenladen gearbeitet und war daher immer gut mit WhiteLables und ähnlichem versorgt, aber auch das Suchen nach Musik war anders: man verbrachte viel Zeit im Plattenladen, trank Kaffee und hörte die neuesten Scheiben durch, da waren 4 Stunden schnell verpufft. Heute muss man sich durch gefühlt tausende von Releasen auf Onlineportalen wühlen um seine Musik zu finden. Eine Art „Vorauswahl“ durch den Plattenladen findet nicht mehr statt. Heute hat man durch die Technik natürlich viel mehr Möglichkeiten beim Auflegen, man hat eine viel größere Auswahl an Musik – und auch die Schlepperei is nicht mehr so groß. Ich möchte jetzt ganz klar nicht den Satz „früher war alles besser“ sagen, nein – aber ich stelle mal provokant in den Raum, dass einiges und ich betone einiges, heute weniger Qualität hat. Was mir sehr viel Spaß macht, ist die Kombination von analog und digital, sofern sich hier die Möglichkeit bietet. Ja, die Rappelkiste und Tach & Nacht – passiert ist das alles unter der Sternbrücke in Hamburg, genauer gesagt in der MXB Bar, dort habe ich Dominic Duve und Chris Kistenmacher kennengelernt. Chris gründete das Kollektiv und Dominic und ich waren quasi ab der ersten Stunde dabei. Kurz darauf habe ich Tobias Klemm kennengelernt der das Label Tach & Nacht inne hat. Wir verstanden uns von Anfang an sehr gut und ihm gefiel mein Sound, so durfte ich dann auch Teil der Tach & Nacht Familie werden.

EF: Dominic Duve und Herr Oppermann sind ja öfter in den Hamburger Clubs zu hören, wie kam es zu diesem Duo und wo kann man Dich demnächst wieder finden?

HO: Dominic und ich haben bei einer der ersten Rappelkisten Veranstaltungen ein spontanes B2B gespielt und wir haben uns sofort musikalisch verstanden, es war einfach eine Harmonie und ein Track ergab den nächsten, es macht einfach unheimlich viel Spaß mit Ihm zu spielen und so haben wir diese Harmonie dann vertieft. Doch es war auch das zwischenmenschliche, dass uns verbindet und wir verstehen uns auch privat sehr gut. Als nächstes steht auf jeden Fall das JuicyBeats Festival im Dortmunder Westfalenpark an, das als eines der Größten in NRW gilt. Letztes Jahr war es mit 50.000 Leuten ausverkauft. Ich spiele dort auf dem Deepandance Housefloor, danach geht es dann zur Tächno Party ins „Wohnzimmer“ Fundbureau und dann steht schon bald das nächste B2B mit Dominic bei der Oben,Unten, Alles im Uebel und Gefährlich an.

EF: Du beschreibst Deinen Sound als „bunt gewürfelt aber immer House“, hast Du hier eher eine bestimmte Richtung oder legst Du Dich beim Auflegen hier gar nicht so richtig fest?

HO: Ich habe damals eher House und Deephouse aufgelegt, inzwischen ist das aber eher Techhouse geworden. Die Übergänge der Genres sind hier ja – meiner Meinung nach, auch eher fliessend. Festlegen möchte ich mich eigentlich gar nicht, denn ich finde ein Set, egal ob Podcast oder in einem Club, sollte eine Geschichte erzählen, mal ruhig, mal treibend, mal schnell, mal harmonisch. Am besten geht so etwas natürlich bei längeren Gigs. Im Grunde basiert ja aber vieles auf dem ursprünglichen House und so wie schon damals galt „House is a feeling“, so möchte auch ich die Musik fühlen, ja zelebrieren, in sie eintauchen und mich treiben lassen und das Publikum auf diese Reise mitnehmen. Und so wie eine Reise aus vielen Eindrücken besteht, so möchte ich dies auch musikalisch wiedergeben. Das „zusammenwürfeln“ entsteht dabei immer ganz spontan.

EF: Wo Du schon vom Reisen sprichst – was kann man von Dir in der nächsten Zukunft erwarten? Wo geht die Reise hin?

HO: Nun, da würde ich sagen – der Weg ist das Ziel. Dank der Tach & Nacht Familie habe ich viele Kontakte zu sehr guten Producern und daher wäre das Selbstproduzieren eines der nächsten Ziele. Weiterhin bin ich nun ein Teil von Tach & Nacht – wir sind uns nur noch nicht einig wer Tach und wer Nacht ist ;) und werde mich auch auf die Labelarbeit und dessen Weiterentwicklung fokussieren. Ich sage ja selbst, dass ich ein Kind der elektronischen Musik bin und diese begleitet mich schon seit der Jugend und wird mich auch weiter begleiten, denn es ist ein schöner Weg muss ich sagen, den ich mit sehr viel Enthusiasmus gehe. Wohin die Reise geht – lassen wir uns überraschen würde ich sagen.

EF: Vielen Dank für das interessante Interview und Deinen Gastmix und viel Erfolg für Deine neuen Projekte!

Mehr Infos zu Herrn Oppermann
http://facebook.com/herroppermannhh
http://soundcloud.com/herroppermannhh
https://herroppermann.de/