Interview mit Dr.Woe zum Electric Fabric Podcast

Electric Fabric Podcast: Gast-DJ Dr.Woe

Wie so häufig beim Electric Fabric Podcast, haben wir natürlich wieder einen Gast-DJ für die zweite Stunde an Bord. Dieses Mal freuen wir uns auf Dr.Woe, unter anderem bekannt von der Outrider Crew und Bass Forward The Revolution.


EF: Willkommen zum EF Podcast! Wir freuen uns, dass du für uns einen Mix beigesteuert hast und uns auch zum Interview zur Verfügung stehst! Denn wie immer möchten wir unseren Hörern noch etwas Hintergrundinfos über unseren Gast-DJ mit auf den Weg geben. Also erzähl mal, wer bist du, woher kommst du, was legst du auf? Und seit wann?

W: Hi, Ich bin Dr Woe, ich bin gebürtiger Berliner, habe meine Jugend im beschaulichen Lübeck verbracht und lebe jetzt seit fast 5 Jahren in Hamburg. Ich lege seit ca. 11 Jahren Drum & Bass auf, zur Zeit hört man von mir eher den darken und deepen Sound sowie Neurofunk und harten DnB. Ich bin jedoch auf besonderen Wunsch auch immer für ein Liquid- oder Oldschool Drum & Bass Set zu haben. Im Grunde ist es mir aber wichtig, alle Subgenres und Epochen des Drum & Bass in meinen Sets zu kombinieren. Meine frühen DnB Einflüsse waren die drei Alben „Goldie – Inner City Life“ , Trace, Ed Rush und Nico mit ihrer „Torque“ LP und Photeks „Form & Function“, welche ich auch immer noch gerne höre. Dazu habe ich jahrelang Jungle und Breakbeat Tapes gesammelt und diese solange studiert, bis ich manche von ihnen auswendig konnte.

EF: Wir haben jetzt grob erwähnt, dass du mit der Outrider Crew, Bass Forward The Revolution (BFTR) und Hoch 10 auflegst, kommt das hin? Oder welche Partys/Crews haben wir vergessen? Und bist du „nur“ DJ dort oder hast du tlw. auch noch andere Aufgaben? Wenn ja, erzähl uns gerne mehr darüber!

W: Ich bin fester Bestandteil der „Bass Forward The Revolution“ Crew und der „Outrider Crew“, bei Hoch 10 bin ich jedoch nur gelegentlich als Gast zu hören, genauso wie bei Drumbule, der Bassboje oder den Therapy Sessions Hamburg, um nur ein paar zu nennen. Bei BFTR bin ich als Resident Dj und Grafikdesigner tätig, um die Organisation, Bookings und alles andere kümmern sich andere. Natürlich hilft trotzdem jeder wo er kann! Bei den Outridern kümmere ich mich auch um das Design und die Promo, aber gelegentlich auch um alles andere, wie z.B. organisatorische Dinge, technische Probleme usw. – jedoch gibt es in diesem Kollektiv für niemanden einen festgesetzten Verantwortungsbereich.

EF: Wann & wo finden denn die nächsten Events statt?

W: Am 5. März findet die nächste BFTR Party im Hafenklang statt, auf der ich mit Violet Core, eine der Mitbegründer/innen der BFTR Crew, ein feines Back 2 Back Set zaubern werde. Am 11. März dann im Übel und Gefährlich auf der Neosignal meets Hoch 10 party, dort spiele ich zusammen mit Slim Charles von der Hoch 10 Crew auf dem 2. Floor ein Liquid Set. Weiter gehts am 18.3. bei der Bassboje im Turtur in HH Wilhelmsburg wo auch ein Grossteil der Outrider Crew vertreten sein wird. Im März ist also eine Menge los!

EF: Und dann bist du ja nicht nur DJ, sondern produzierst auch selbst – einige deiner Tracks hast du auch im Gastmix für unseren Podcast untergebracht. Woher kam bei dir die Motivation, deine eigenen Produktionen zu schrauben?

W: Im Grunde habe ich mit dem Produzieren schon lange vor dem Auflegen angefangen, nur dass ich damals eher in der Hip Hop Szene unterwegs war, erste Gehversuche in Richtung Drum & Bass fanden jedoch auch schon statt. Meine Motivation ist in erster Linie mich kreativ auszudrücken und etwas zu produzieren dass zu 100 Prozent meins ist. Das reine Auflegen füllt mich in dem Sinne einfach nicht aus, mein höchstes Ziel als DJ ist es auch, meine eigenen Tracks zu spielen, und so arbeite ich seit Jahren an meinen Produktions- und Mixing-Skills um meine Tunes technisch auf ein professionelles Level zu bringen und sie mit all meinen Lieblingstracks anderer Producer mixen zu können. Ich hab meine Tunes in den letzten Jahren eher für mich behalten, aber jetzt habe ich endlich eine Handvoll Tunes zusammen, die diesen Ansprüchen genügen könnten.

EF: Beim Produzieren: Software oder Hardware? Ableton, Cubase oder Logic? Oder noch was anderes?

W: Angefangen habe ich damals mit Logic, bin dann jedoch schnell auf Reason umgestiegen. Reason war mir dann irgendwann zu begrenzt in seinen Möglichkeiten sodass ich vor einigen Jahren wieder bei Logic gelandet bin. Ansonsten besitze ich eine grosse Bandbreite an Plug-Ins, zu meinen Favorites zählen ohne Zweifel Spectrasonics Omnisphere, NI Battery und die T-Racks Mixing Tools, sowie Izotopes Trash 2 und Ozone 6. Meine Samples recorde ich am liebsten selber von alten Platten, nehme aber auch gerne Sounds mit meinem Fieldrecorder auf. Ich habe auch noch eine Bass Station II und den Gaia SH-01 von Roland sowie ein paar Pedaleffekte, um die Synths durchzuschicken. Seit einiger Zeit bastel ich auch an einem Live Setup mit meiner NI Maschine 2 in Verbindung mit meiner anderen Hardware. Bei all dem Zeug bin ich aber trotzdem der Meinung, dass man auch mit wenig Equipment gute Tracks schrauben kann, wenn man weiss wie…

EF: Wenn du mit deinem eigenen Producer-Ich in der Vergangenheit sprechen könntest, was würdest du dir für Tipps geben? Dinge, von denen du dir damals gewünscht hättest, sie direkt zum Start zu wissen?

W: Oha, ich bin mir nicht sicher ob ich in der Position bin, schlaue Tipps zu geben, aber ich würde jedem der gerade anfängt empfehlen, als erstes in eine solide Abhöre zu investieren und sich selber nicht zu sehr mit neuen Plug-Ins oder neuer Hardware zuzumüllen – sondern erstmal zu versuchen aus wenig Instrumenten viel rauszuholen und die Technik die man zur Verfügung hat erstmal von Grund auf zu verstehen und auszureizen. Oft kann man mit den Brot und Butter Instrumenten und Plug-Ins seiner DAW schon eine ganze Menge anstellen. Eine andere Sache ist das Abmischen der Tracks. Es ist nichts verwerfliches dabei andere Tunes, alte wie neue, zu analysieren und sich ganz genau den Frequenzbereich und die Dynamik anderer Produktionen und der darin enthaltenen Spuren anzuschauen, da geht einem oft das eine oder andere Licht auf. Ich nutze auch jede Gelegenheit, mich mit erfahrenen Producern aller Genres zu unterhalten und gucke mir etliche Tutorials an, um etwas dazuzulernen. Aber ich denke, auch ich kann noch eine Menge lernen und es gibt Leute da draussen, die Euch mehr übers Produzieren beibringen können als ich. Man muss sich halt durchbeissen, Stück für Stück. Das braucht halt eine Menge Zeit, Geduld und Leidenschaft und ist wohl eine Reise die niemals endet. Am Ziel bin ich jedenfalls noch lange nicht!

EF: Du produzierst ja auch nicht ausschließlich Drum&Bass, sondern hast noch andere Projekte – bist also auch an Vielfalt in der elektronischen Musik interessiert, genau wie wir von Electric Fabric, das freut uns! Erzähl doch mal, welche Sounds kommen noch aus deinem Studio?

W: Ich produziere noch zusammen mit Violet Core unter dem Namen „Scary Woods“ Musik. Wir legen uns Genre-mässig nicht fest, meistens wird es aber Drum & Bass, Trip Hop oder etwas was wir selber nicht einordnen können oder wollen. Es kann auch passieren dass wir nächste Woche einen Techno Track produzieren. Dann schraube ich noch im Alleingang als „Moonshyna“ Instrumental Hip Hop, Trip Hop und experimentelle Beats und arbeite da auch mit dem einen oder anderen Rapper zusammen, z.B. mit meinem langjährigen Kumpel und Mitglied der „Stigmata Musick“-Crew „Banause“ mit dem ich 2009 schon ein ganzes Album namens „Spiegelreflex“ fertiggestellt habe. Collabos mit anderen Künstlern sind auch in der Mache, jedoch noch nicht spruchreif.

EF: Definitiv hörenswert! Kommen wir zurück zum DJing, wir haben gehört, du legst auch heute noch recht viel mit Vinyl auf, stimmt das? Wie ist es für dich in einem Genre wie Drum&Bass, wo es zwar noch Releases auf Platte gibt, jedoch nur von einigen ausgewählten Labels…lässt sich das überhaupt mit reinen Vinyl-Sets noch gut machen? Oder ergänzt du deine Sets auch digital – und wenn ja, auf welcher Hardware spielst du?

W: Ja, ich bin nach wie vor ein Vinyl-Junkie, und es gibt immer noch mehr Releases auf Platte die ich spielen würde, als ich mir leisten kann. Auf jeden Fall kann man mit Vinyl immer noch ein aktuelles und vielfältiges Set spielen, das Problem liegt eher woanders: in den letzten Jahren kommt es mir so vor, als ob die meisten Anlagen in den Clubs nicht mehr auf Vinyl eingestellt sind und ich habe das Gefühl, dass an den Turntables als erstes gesparrt wird und die Modelle die einem teilweise hingestellt werden bestenfalls ins Museum gehören, aber nicht für ein sauberes Vinyl-Set geeignet sind. Oder sie sind einfach nicht richtig austariert und entkoppelt, was einen sauberen mix auch erschwert. Auch ist eine staubfreie Umgebung durchaus von Vorteil! Einem einfach zwei Plattenspieler auf die Bühne werfen reicht nunmal leider nicht aus! Seit einiger Zeit nenne ich auch einen CDJ-850 mein Eigen, um digitale Releases zu spielen – aber natürlich auch eigene Tunes. Vinyl bleibt jedoch mein Hauptmedium, immerhin erholt sich der Vinyl Markt auch zusehends, und durch neue Konzepte wie 4 Tunes auf einer 33er Platte (natürlich ist das nicht wirklich neu, es war nur nicht mehr angesagt) werden die Vinyl Tunes auch immer erschwinglicher. Wichtig ist mir auf jeden Fall, die Tunes die ich spiele auch zu bezahlen und den Künstler und das Label dahinter zu unterstützen. Leute, die geklaute Tunes spielen und dafür auch noch Geld nehmen, haben die Nahrungskette nicht verstanden!

EF: Wie wählst du die Tracks für deine DJ-Sets aus? Du mixt ja auch Studio-Sets, die du als „The Rolling Woe Show“ veröffentlichst. Wie unterschiedlich sind deine Selections für Studiomixe und Livemixe?

W: Grundsätzlich ist mir ein schöner Spannungsbogen wichtig, wie in einem guten Film muss es spannend bleiben. Es muss Action-Szenen geben, Mystery, ein bisschen Romantik und den einen oder anderen Überraschungsmoment – und natürlich den alles entscheidenden Showdown. In meinen Studiosets fallen die deeperen Parts meistens etwas länger aus als live, da ich nicht möchte, dass der entspannte Sound zu kurz kommt. Live kommen oft auch die richtig harten Tunes zum Einsatz, die ich in den Studiomixes nicht spielen würde – einerseits damit sie nicht jeder schon kennt, andererseits weil sie einfach nicht in den Kontext der „Rolling Woe Show“ passen. Hin und wieder gibt es auch mal ein reines Liquid DnB oder Hard Drum & Bass Set. Es ist mir wichtig, auch ältere Tracks in meine Sets zu integrieren und den Hörer auf eine Zeitreise zu schicken. In vielen Sets, die ich von anderen höre fehlt mir auch genau das. Der neueste Shit darf natürlich trotzdem nicht fehlen!

EF: Und um den Bogen zum eigentlich Grund deiner Anwesenheit zu kriegen – deinem Gastmix beim EF Podcast – hast du dir für diesen Mix noch andere, besondere Gedanken bei der Trackauswahl gemacht?

W: Ich wollte diesmal ausschliesslich neue Tunes verwenden und habe versucht, deepen Drum & Bass mit Neurofunk und neuen Jungle Releases zu kombinieren, und den Hörer auf eine Reise durch die verschiedenen DnB Styles zu schicken. Natürlich wollte ich auch 2 meiner eigenen Tunes unterbringen, die im März zusammen mit 3 anderen auf der „Insomnius EP“ erhältlich sein werden.

EF: Alles klar! Vielen Dank dafür, dass du dir die Zeit zur Beantwortung der Fragen genommen hast. Wenn du ein paar Shouts und letzte Worte an Leute da draußen raushauen möchtest, dann nur zu!

W: Shouts gehen raus an: Violet Core und den Rest der „Bass Forward The Revolution“ Crew, alle meine Outrider von hier bis Hannover, die Stigmata Musick Possee, die Hoch 10 Gang, die Drumbule Crew, Larsn, Mr Eightball, die Tentaclez, Yoko, Tra:fo, Mc Bensch, Sya, Dubius und alle anderen die die Fahne weiter hochhalten und hart für die Musik arbeiten und trotzdem den Ball flach halten!

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