Meister der “Hamburger Nächte” – willkommen FLOUKA!

Electric Fabric Podcast: Gast-DJ FLOUKA

Die 85. Ausgabe des EF Podcasts steht in den Starlöchern. In diesem Monat konnten wir den Mann, der hinter der umtriebigen „Hamburger Nächte“ Facebook-Seite steht gewinnen: FLOUKA! Nicht nur immer auf dem neuesten Stand was in der Hamburger Szene los ist, sondern auch musikalisch und auflegetechnisch gut unterwegs! Bevor ihr seinen Guestmix in der zweiten Stunde der frischen Ausgabe startet, empfehlen wir Euch das Interview!

EF:
Hallo FLOUKA, schön Dich bei uns für einen Guestmix an Bord zu haben! Viele kennen mittlerweile die Hamburger Nächte-Seite, aber vielleicht noch nicht den Mann dahinter. Wie und wann bist du denn damals auf den House & Techno-Trichter gekommen?

FLOUKA:
Fangen wir einmal ganz von vorne an. Ich bin schon als kleines Kind intensiv mit Musik in Verbindung gebracht worden, habe mich für Instrumente begeistert und erste kleine Jamsessions. Im Laufe der ersten Partynächte, richtete sich der Zeiger zunehmend auf die elektronsiche Szene Leipzigs. Angefangen mit Superkronik, Elipamanoke & natürlich der „Tille“, die mit 25 Jahren ältester Technoclub Deutschlands ist. Zu dieser Zeit fing ich an Deep House zu hören. Das war für mich als „Neuling“ erst einmal leichte Kost, aber ich habe stetig mehr gefallen daran gefunden. Mit dem ersten kleinen Pult, begann ich kurze Zeit später auch erste kleine Mixe zu kreieren. Eine genaue Richtung, wo die Reise mal hingehen soll, gab es für mich noch nicht.

Es kam zu ersten Gigs, vor allem im Raum Dresden und Leipzig. Illegale Openairs, Bunkerparties und Clubs. Ich hatte Blut geleckt. Die eigentliche Soundfindung entstand dann aber erst mit dem Umzug nach Hamburg. Neue Stadt, neue Leute und neue musikalische Einflüsse. Sie haben mir ein ganz anderes Gefühl vermittelt, was ich so noch nicht kannte. Nach einem Jahr Residenzzeit in einem Hamburger Technoclub, konnte ich mich, was Setaufbau und Spannungsbögen betrifft, extrem weiterentwickeln.

EF:
Welche Elemente benötigt ein Club-Track für Dich, damit er auf deinen USB-Stick und in deine Playlist wandert? Gibt es aktuell Artists, die Du sozusagen blind kaufst? Wenn ja, wer?

FLOUKA:
Ein Club-Track muss immer einen besonderen Charakter mitbringen. Ich steh nicht so auf monothematische Klangwelte, also muss der Track schonmal melodisch überzeugen. Zusätzlich muss der Track natürlich eine treibende Base bieten. Er muss ein Gefühl auslösen, wenn man sich in ihn hinein versetzt. Vom traumatischen Urknall, bis hin zum explodierendem Glücksgefühl.

Ich nehme gerne unterschiedlichste Ströme auf. Mit Th;en und Third Son habe ich gerade viele Parallelen gefunden. Aber auch David Granha oder Spektre im treibenderen Bereich.

EF:
Als Chef hinter „Hamburger Nächte“ bist Du mit vielen Leuten in der lokalen Szene gut vernetzt. Wann entstand die Idee, neben der persönlichen DJ Schiene, die HN-Plattform auf die Beine zu stellen?

FLOUKA:
Die Idee entstand innerhalb des ersten Jahres in Hamburg. Besonders in der ersten Zeit habe ich viele Veranstaltungen besucht und kam mit einem wohlwollendem Lächeln wieder heraus. Ich wollte etwas zurückgeben. Es war vermutlich auch die musikalische Reizüberflutung, die in diesem Fall positiv dazu geführt hat. Hamburger Nächte ist für mich ein Ventil, um meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Eine Leidenschaft, die ich mit vielen Leuten in Hamburg teilen kann. Wir sind schließlich alles irgendwo ein Teil der Hamburger Nächte. Entweder leben wir sie aus oder wir kreieren sie neu.

Anfangs habe ich einfach nur dutzende Steckbriefe zu Locals aus Hamburg verfasst. Durch die tolle Resonanz wurde auch die Motivation größer und mit Interviews, wie HN Stories, dem Hamburger Nächte Podcast und vielen Beiträgen zu Veranstaltungen, als Reviews oder direkt live aufgenommen nochmal facettenreicher & interaktiv. Das große Glücksgefühl war, als die vielen kleinen Videos zu “Hamburger Nächte sind…” entstanden sind, aber auch der enorm aufwendige Dreh und das Produkt zu Hamburger Nächte Stories mit Mikah. Spätestens da habe ich gemerkt, Hamburger Nächte ist kein Produkt von mir, denn es funktioniert nur, wenn mehrere Leute an einem Strang ziehen. Du, ich und alle DJ’s, Produzenten, Macher & Künstler der elektronischen Musikszene Hamburgs sind damit angesprochen und natürlich auch die Interessierten. Der Claim „Wir sind Hamburger Nächte“ entstand ganz von alleine.

EF:
Welche Hamburger Clubs würdest Du „Techno-Touristen“ (mit inhaltlichen Background) empfehlen, wenn Sie möglichst viel erleben wollen?

FLOUKA:
Grundsätzlich muss ich hier sagen, dass das ganz auf das Lineup und die Zusammenstellung ankommt. Mal hat der eine Club die interessanteren Acts, mal der Andere. Ich war lange Zeit großer Verfechter des Uebel & Gefährlich und des Waagenbaus. Wenn man dann noch ein bisschen tiefer in die Materie einsteigt, dann seh ich das PAL in der Karolinenstraße musikalisch gerade ganz weit oben. Wenn man in Hamburg besondere und seltene Bookings sehen möchte, dann hier. Steht man auf ungewöhnliche, geheimnisvolle Locations, dann ist das Moloch oder der Südpol sicherlich eine Reise wert. Der besondere Kick kommt aber erst, wenn man ein paar Koordinaten zugesteckt bekommt. ;-)

EF:
Gibt es irgendwelche spannenden Zukunftspläne, die Du mit Hamburger Nächte verfolgst?

FLOUKA:
Gerade ist es ziemlich spannend im Hause Hamburger Nächte. Wir sind gerade mitten in der Vorproduktion für die nächste HN Stories Folge. Weiterhin arbeiten wir gerade in Kooperation an einer Livestreamreihe, wo das erste Vorgespräch ein großer Erfolg war und auch innerhalb der Szene großes Interesse gezeigt wird.

EF:
Stilistisch gibt es im Club-Musik Bereich immer wieder Strömungen die gerade in Mode sind, aber manchmal auch wieder abebben. Wie ist es für Dich, wenn Du feiern gehst, schlägt ein Set genau dann bei dir gut ein, wenn es stilistisch in etwa dem entspricht, was Du auch selber gerne auflegst? Oder kann ein DJ-Set genauso gut für Dich fruchten, wenn der DJ keine einzige Nummer spielt, die in ein FLOUKA-Set passen würde?

FLOUKA:
Ich finde es immer spannender, wenn ich nicht unbedingt die Beatport Top 100 hören muss. Im letzten Jahr gab es zwei Momente, wo meine Augen ganz groß wurden. Das erste Mal war im April in der Fabric London. Boxia hat ein wahnsinnig gutes Set gespielt. Es war eine Mischung aus Trance und Techno. Ein Enjoy The Silence Remix von Mike Koglin aus dem Jahr 2005 hat bei mir besonders gefruchtet. Im Sommer war es dann samantha nicole in einem der besten neuen Clubs, laut Mixmag, dem „XX XX“ in Manila. Sie spielte Joy Orbison mit BRTHDTT. Ein geiler Track, der aber nie in ein Set von mir passt. :-)

EF:
Zurück zum Auflegen. Wann und wo kann man dich in nächster Zeit live hinter den Decks antreffen?

FLOUKA:
Am 25. November gibt es eine Fortsetzung der Brachland-Reihe im Waagenbau. Da werde ich dann auch als FLOUKA wieder aktiv vor Ort sein und paar Tracks zum Besten geben.

EF:
Angenommen Du könntest Dir eine Szenegröße aussuchen, für den Du gerne mal ein WarmUp spielen würdest. Wer wäre das?

FLOUKA:
Auf jeden Fall für Stephan Bodzin. Einer der wenigen Acts, wo ich ohne Pause Gänsehaut habe.

EF:
Herzlichen Dank für Deinen Guestmix und das Interview! Man sieht sich ;)

Mehr Infos zu Flouka:
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