Zum 2.Mal dabei, aber zum 1.Mal im Interview – Alex Vaganza

Electric Fabric Podcast: Gast-DJ Alex Vaganza

Diesen Monat haben wir den ersten Podcast Gast-DJ dabei, der zum zweiten Mal bei uns einen Gastmix beisteuert! Da zu jener Zeit allerdings unsere inzwischen üblichen Gast-DJ Interviews noch gar kein Thema waren, holen wir das für den aktuellen Gast nun nach.

EF:
Alex, fünf Jahre ist es nun her, seit Du das letzte Mal einen Gastmix zu unserem Podcast beigesteuert hast. Damals gab es noch nicht mal unsere schicke Website, auf der wir zu jedem Gastmixer inzwischen auch Interviews veröffentlichen.

Nun kennen wir uns sehr gut, aber unsere Fans da draußen sollen Dich natürlich auch richtig kennenlernen. Du bist ja nun schon etliche Jahre immer mal wieder in Berlin aktiv. Erzähl doch mal ein bisschen, wie das eigentlich alles mal anfing und was die Berliner Szene für Dich ausmacht – früher und heute.

AV:
Hey, erstmal ein dickes Danke und klasse, dass ich wieder mal bei Euch dabei sein darf!

Auf elektronische Musik bin ich in den frühen 90ern aufmerksam geworden, damals aus dem Radio über Marushas „Rave Satellite“ auf DT 64 (Sendegebiet Berlin/Brandenburg, heute ist es die Frequenz von Radio Fritz). Das war echt spannend und neu. Als ich meinen Schulfreunden über meinen Walkman ein paar Tracks vorgespielt hatte, kam nur immer als Antwort: och Nö, irgendwie langweilig, es ist ja immer das Gleiche. Ich fand das genial, weil ich darin eben nicht immer genau das Gleiche gehört habe, sondern eher Sounds mit riesiger Vielfalt und enormen Potenzial. Clubmäßig kenne ich noch sehr gut das alte Matrix, E-Werk, Tresor, WMF am Hackeschen Markt, Polar TV und auch den Bunker, aus dem man mit gefühlten Herz Rhythmus Störungen rausgegangen ist. Von Deep House bis Gabba, ich fand alles toll. Die Vandit Nights mit Paul van Dyk im Casino haben mich jedoch am meisten begeistert. Ende der 90er habe ich mir endlich zwei Technics 1210er zusammengespart (die ich noch heute habe) und begann Vinyl zu kaufen. Ab da habe ich in Berlin selbstorganisierte kleinere Events an unterschiedlichen Orten veranstaltet.

2009 habe ich Jan Vandell auf einer Party kennengelernt, wo er das Warm Up für Martin Roth gespielt hatte. Die Chemie hat sofort gepasst und er hatte mich gefragt, auf einer Party seiner Veranstaltungsreihe „Eternal Night“ ein Set zu spielen (www.eternal-night.de). Bedauerlicherweise war er eigentlich grad dabei, die Reihe komplett an den Nagel zu hängen. Zuviel Aufwand für einen alleine mit überschaubarerer Resonanz. Mir ging es ja genauso. Tja, ab da haben wir die Eternal Night einfach gemeinsam weiterentwickelt und echt klasse Nächte mit vielen Gast-DJs erlebt (u.a. MoodFreak, Mike Koglin, Shato & Paul Rockseek, Enoh, Solace & Solitude, Dennis Sheperd und Indecent Noise). Die letzte Party haben wir mit den Jungs von #Languages (Rick Siron und Alex Narrow) veranstaltet und sind konzeptionell neue Wege gegangen. In Berlin Parties mit Schwerpunkt Trance und Progressive zu veranstalten ist ein schwieriges Pflaster. Es gibt eine feste und sehr treue Zielgruppe, aber das Wachstum ist sehr beschränkt. Daher kann man sich eigentlich nur weiterentwickeln, wenn man was neues ausprobiert und sich mit etwas definiert, was einen innerhalb von Berlin wieder einzigartig macht. Neue Wege zu gehen und dennoch den musikalischen Wurzeln treu zu bleiben ist der eigentliche Spagat. Da geht nur “trial and error”.

EF:
Wenn Du vergleichen würdest, wie Du vor fünf Jahren Sets zusammengestellt und gemixt hast und heute – was würdest Du sagen sind die größten Unterschiede? Und hat sich die Musik für Dich zum Positiven entwickelt?

AV:
Dramaturgisch gesehen bastele ich die Sets heute eigentlich noch genauso wie früher zusammen. Früher die Platten in die richtige Reihenfolge in die Tasche gepackt, heute alles mit Pioneer Rekordbox vorbereitet. Den berühmten Roten Faden habe ich schon im Kopf und die ersten drei Tracks stehen meistens fest. Der Rest ist dann Improvisation und richtiges Abfeuern im richtigen Moment.

Nur die DJ Tasche ist im Laufe der Jahre immer leichter geworden. Heute geht man ja eigentlich nur noch mit USB Stick und Kopfhörer in den Club ….und hofft, dass die Technik mitspielt. Das ist im übrigen echt ein wackeliger Punkt geworden. Bis vor etwa 6 Jahren habe ich mit Traktor und Vinyl DVS gespielt, weil ich unbedingt das Vinyl-Feeling weiter erleben wollte. Ich erinnere mich an eine Eternal Night, als das kurzzeitig nach hinten losging: Die Meute hat gejubelt, die Gogos waren in Grundstellung und ich wollte voller Vorfreude loslegen…nur die Nadel von meinem DVS hatte einfach keine Lust ein Signal zu senden…da war echt Panik angesagt. Seit dem habe ich immer einen Plan B in der Tasche.

Grundsätzlich kann man nicht sagen, dass sich Musik positiv oder negativ entwickelt hat. Wenn mann stilistisch breit aufgestellt ist, stellt sich die Frage eigentlich gar nicht. Man kennt mich überwiegend aus der Trance/Progressive Ecke. Aber ich spiele auch sehr gerne Deep, Tech & Disco House sowie Bootlegs. Trance an sich habe ich früher spannender wahrgenommen und ist für meinen Geschmack relativ austauschbar und eintönig geworden. Die Mischung macht es. Ich mag es wenn es grooved und blubbert und wenn plötzlich ein kleiner Überraschungsmoment auftaucht. Der Gastmix für Euch ist genau mit diesem Ansatz gestaltet worden.

EF:
Und was würdest Du sagen, waren die Highlights Deiner DJ-Laufbahn?

AV:
Ich habe das Auflegen immer als Hobby verstanden und nie wirklich professionell betrieben.
Ich hatte viele tolle Momente auf unserer eigenen Veranstaltungsreihe der Eternal Night erlebt. Da war jedes Event ein Highlight, weil wir verrückte Sachen ausprobiert hatten. Aber letztlich waren es auch Parties von Freunden für Freunde und das macht es aus.
Ich spiele auch sehr gerne auf den Parties von Dennis Sheperd in Berlin.

Lustigerweise erhalte ich in letzter Zeit vermehrt Anfragen für private Parties, die ich früher kategorisch abgelehnt hatte. Und auch die ein oder andere Hochzeit ist mittlerweile dabei. Spannend hierbei ist, dass die Verantwortung für den Abend objektiv gesehen deutlich höher als bei Clubevents ist. Wenn man hier Käse baut, bleibt das in lebenslanger Erinnerung des Brautpaares und dessen Freunde.
Ich habe mich stilistisch nie wirklich festgelegen wollen. Eher geht es darum, einen tollen Abend für alle hinzuzaubern. Der passende musikalische Stil ist dabei nur das jeweilige Mittel zum Zweck.

EF:
Hast Du in nächster Zeit bestimmte Pläne? Wann steigt die nächste Party, wo Du auflegst? Was können die Leute von Dir erwarten? Was erwartest Du selbst von Dir?

AV:
Mit Jan Vandell hatte ich kürzlich eine spontane Session über Facebook-Live auf meiner Terrasse gestartet. Nach gut einer Stunde zog plötzlich Gewitter auf und wir konnten grad noch alles wieder in Sicherheit bringen. Aber wir haben bis zum ersten Regentropfen gespielt. Das war eine super spaßige Angelegenheit. Habe im Nachhinein echt Lust bekommen, noch mehr solche kurzen spontanen Events über Stream zu senden, vielleicht auch an ungewöhnlichen Orten.
Das ein oder andere Clubevent wird sicherlich auch wieder steigen. Also immer schön Augen und Ohren aufhalten.
Als langfristiges Projekt steht jedoch fest: meine beiden Kids werden DJs! ;)

EF:
Zum Abschluss noch ein paar schnelle Fragen, zu denen Du einfach spontan kurz und knapp antwortest, was Dir gerade so in den Sinn kommt. Bereit?
Und los!

Hamburg oder Berlin? AV: Haha…die Frage stellst Du einem waschechten Urberliner!

Dein Lieblings-Club? AV: Space Ibiza („heul und schnief“)

Dein Lieblings-Festival? AV: „We are One“ in Berlin.

Outdoor oder Club? AV: Club, aber draußen ist es auch genial.

Knackige Beats oder schöne Melodien? AV: Groovige Melodien mit richtig Wumms!

Craft Beer oder Gin? AV: Der aktuelle Gin Trend hat mich fest im Griff….

SoundCloud oder Spotify? AV: Beides für den jeweils passenden Moment.

Und zum Schluss die wichtigste Frage: CDJ oder 1210er? AV: Eigentlich CDJs. Aber ich spiele auch immer wieder gerne mal ein Classic Set mit echten Schallplatten. Dieses knacken und knistern….Herrlich!

EF:
Wir danken Dir herzlich für Deinen Gastbeitrag und das Interview und wünschen Dir für Deine Zukunft alles Gute!